zurück

Herren NLA

25.11.2017

Ustermer Coup im Derby

Ausgerechnet im Auswärtsspiel gegen den Grasshopper-Club in Zürich gelingt dem UHC Uster nach – inklusive Cup – fünf Niederlagen in Serie der grosse Befreiungsschlag. Nachdem es erst geschienen hatte, dass wie schon so oft eine Führung nicht über die Zeit gebracht werden kann, sorgten Manuel Hummer mit seinem Ausgleichstreffer sieben Sekunden vor dem Abpfiff und der Schwede Oskar Henriksson mit dem verdienten Siegtor in der Verlängerung für einea der seltenen Ustermer Erfolgserlebnisse in der Sporthalle Hardau.

Vor fast genau zehn Jahren war es, als der UHC Uster letztmals einen Auswärtssieg gegen die Grasshoppers bejubeln durfte. Am 2. Dezember 2007 zog man mit einem 5:3-Erfolg gegen die Stadtzürcher zum bisher einzigen Mal in der Clubgeschichte in den Halbfinal des  Schweizer Cups ein. Dass diese lange Durststrecke am Samstagabend ein Ende fand, lag nicht zuletzt daran, dass man seitens der Ustermer aus der herben 2:12-Schlappe beim Meisterschaftsauftakt die Lehren gezogen und Coach Simon Meier den Gameplan geschickt auf die Stärken des Gegners abgestimmt hatte, der seine gefährlichen Konter an diesem Abend nur äusserst selten wie gewünscht praktizieren konnte. Die 2:1-Führung der Gäste nach dem ersten Drittel entsprach denn auch dem Spielverlauf. Florian Nideröst versenkte ein Zuspiel Thomas Aelligs sehenswert ins linke hohe Eck und Mikuláš Komárek reüssierte mit einem platzierten Schuss aus der Drehung. GC-Captain Lukas Graf nutzte eine Zweiminutenstrafe gegen Nideröst wegen Stockschlags zum Anschlusstreffer. Die grossen Torchancen in dem generell wenig körperbetonten Spiel liessen sich auf beiden Seiten jedoch an einer Hand abzählen.

Dies änderte sich auch im zweiten Spielabschnitt nicht, bis GC-Keeper Pascal Meier, der kurz davor noch an der Hand hatte behandelt werden müssen, spektakulär vor Andrea Vitali retten musste. Nur wenig später passte Emil Julkunen zum völlig freistehenden Daniel Steiger, Bruder des Ustermer Verteidigers Fabian, der sich nicht zweimal bitten liess und zum Ausgleich einnetzte. In sich hatten es dann die letzten drei Minuten des Mitteldrittels. Erst hinderte Benjamin Reusser den erneut allein auf Meier zulaufenden Vitali irregulär am Abschluss; Anjo Urner versenkte den fälligen Penalty mit einem konsequenten Abschluss souverän zur 3:2-Führung. Knapp zwei Minuten später kreierten die Zürcher Oberländer den schönsten Spielzug des ganzen Matches, mit dem finalen Zuspiel Berwegers durch die Stadtzürcher Verteidigerbeine durch direkt in den Lauf Aelligs, der Meier keine Chance liess. In der letzten Minute verbuchte Graf seinen zweiten Treffer des Abends, als sich die Ustermer Mauer bei einem Freistoss etwas indisponiert zeigte.

Weil Julkunen wegen eines Stossens, bei dem der Schwede selber unsanft in der Bande landete, mit der Schlusssirene noch eine Zweiminutenstrafe erhalten hatte, starteten die Gäste mit einem Mann mehr ins Schlussdrittel und nutzten die Überzahl durch Oskar Henriksson zur erneuten Zweitoreführung. Danach folgte jedoch jene Phase, in dem die Hoppers den Druck erhöhen und kurzfristig die Oberhand im Spiel gewinnen konnten. Nachdem Uster-Keeper Christoph Tschopp noch dreimal spektakulär hatte parieren können, schloss Julkunen einen Konter zum Anschlusstreffer ab. Danach fanden die Zürcher Oberländer zwar wieder etwas besser ins Spiel, aber in der 54. Minute umkurvte Reusser Uster-Verteidigers Fabian Steiger etwas allzu leicht und erzielte mit einem satten Schuss den Ausgleich. Als Julkunen Blau-Weiss knapp zweieinhalb Minuten vor dem Abpfiff nach genau einer Sekunde (!) Überzahlspiel erstmals in Führungs geschossen hatte – Steiger war des Bodenspiels bezichtigt worden –, wähnte man sich aus Ustermer Sicht im wiederholten Déja-vu: Gut gespielt, Führung verspielt und ohne Punkte in die Kabine.

Nicht jedoch an diesem 25. November 2017: Als Tschopp in der letzten Minute einem sechsten Feldspieler Platz gemacht hatte, vermochten sich die Gäste vor dem Hoppers-Tor festzusetzen. Erst konnte Meier einen Schuss Simon Suters mit seinen Fingerkuppen noch übers Tor lenken, aber sieben Sekunden vor dem Spielende war er gegen den Abschluss von Manuel Hummer auf einen präzisen Querpass Florian Bolligers chancenlos. Mit dieser positiven Energie im Rücken dauerte es in der Verlängerung nur gerade 81 Sekunden, bis der von Komárek ideal lancierte Henriksson den erlösenden Siegtreffer im GC-Gehäuse unterbringen und seinem Verein damit den Zusatzpunkt sichern konnte.

„Natürlich kam nach dem Führungstreffer der Hoppers kurz der Gedanke an die vergangenen Spiele auf, aber ich war davon überzeugt, dass wir das Ganze noch zu unseren Gunsten drehen können“, so Thomas Aellig, der nach dem Spiel als bester Ustermer Akteur ausgezeichnet wurde. „Wir waren sehr gut vorbereitet und haben heute eine wirklich gute Leistung gezeigt und dementsprechend während des Spiels auch genügend Selbstvertrauen aufgebaut, um in dieser nicht einfachen Situation nochmals reagieren zu können.“ Worin lag an diesem Abend der Schlüssel zum Erfolg? „Das Team war heute eine wirkliche Einheit ; jeder hat für jeden gefightet. Wir haben das ganze Spiel über versucht, offensiv etwas zu kreieren, sind trotzdem kompakt gestanden und haben durch unser konsequentes Backchecking die Konter der Zürcher im Griff gehabt.“ Am kommenden Wochenende stehen mit dem Heimspiel gegen den erstaunlichen Aufsteiger aus Zug und dem Auswärtsmatch in St. Gallen zwei Begegnungen auf dem Programm, in denen ein Sieg jeweils Pflicht ist. „Jetzt freuen wir uns über diesen Sieg, aber am Montag beginnt die Vorbereitung auf die Doppelrunde am nächsten Weekend. Natürlich sind das wieder wichtige Spiele, aber wir dürfen uns nicht verkrampfen; in der Tabelle liegt noch alles dicht beieinander. Wir müssen die positive Stimmung mitnehmen, auch gegen Zug und WaSa mutig nach vorne spielen und in der eigenen Zone konsequent dicht machen.“

Grasshopper-Club Zürich – UHC Uster 6:7 n.V. (1:2, 1:1, 4:3, 0:1)
Sporthalle Hardau, Zürich – 475 Zuschauer. – SR: Preisig/Schaffter. – Tore: 4. Nideröst (Aellig) 0:1. 11. Komárek (F. Steiger) 0:2. 15. Graf (Reusser) 1:2. 28. D. Steiger (Julkunen) 2:2. 37. Urner 2:3. 39. (38:43) Aellig (Berweger) 2:4. 40. (39:14) Graf (Rüegger) 3:4. 42. Henriksson (Bolliger) 3:5. 47. Julkunen (D. Steiger) 4:5. 54. Reusser (Graf) 5:5. 58. Julkunen (Reusser) 6:5. 60. (59:53) Hummer (Bolliger) 6:6. 62. Henriksson (M. Komárek) 6:7. – Strafen: 2 mal 2 Minuten gegen GCZ, 2 mal 2 Minuten gegen Uster. – UHC Uster: Tschopp; Scherrer, Heierli; Ledergerber, Aellig; Bolliger, F. Steiger; Henriksson, Juhola, Hummer; Nideröst, Berweger, Suter; Komárek, Urner, Vitali; Holenstein, Kellermüller. – 60. (59.04) Timeout Uster. Uster von 59:14 bis 59:53 ohne Torhüter. Uster ohne Klauenbösch und Schubiger (beide verletzt) sowie Büsser (Ausland).