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Herren NLA

12.03.2017

Ustermer verpassen die Vorentscheidung fahrlässig

Knapp 50 Minuten lang hatte der UHC Uster an diesem Samstagnachmittag in der Thuner „Mehrzweckhalle Unihockey/Rollhockey“ alles im Griff und schien auf direktem Weg in die Ferien. Am Ende verliessen die Zürcher Oberländer den Platz doch noch als Verlierer. Der UHC Thun erzwingt mit dem 9:8 nach Verlängerung ein fünftes Spiel in dieser Playoutserie.

Nicht mit eineinhalb Beinen, mit neun von zehn Zehen stand der UHC Thun heute Nachmittag bereits in der Auf-/Abstiegsrunde und der UHC Uster vor dem anvisierten, schnellstmöglichen Saisonende. Trotzdem waren es die Zürcher Oberländer Spieler, die nach dem Schlusspfiff mit konsternierten und ungläubigen Blicken an der Mittellinie Aufstellung nahmen, während sich die Berner Oberländer ausgelassen feiernd in den Armen lagen. Dass man sich nach einer vermeintlich sicheren Führung in der Endphase eines Spiels noch die Butter vom Brot nehmen lässt, ist für das Ustermer Team beileibe nichts Neues; die Qualifikationsphase lässt grüssen. Die Art und Weise aber, wie dies in diesem vierten, sehr intensiv geführten Spiel der Playoutserie gegen den UHC Thun geschehen ist, toppt alles bisher Dagewesene.

Mit einem 6:3-Vorsprung im Rücken kontrollierten die Ustermer wie in den beiden Abschnitten zuvor auch im dritten Drittel das Spiel, als sich der Thuner Stadtheilige St. Mauritius ab der 48. Minute wohl dazu genötigt sah, seinen Schützlingen etwas unter die Arme zu greifen. Mit ihrem Doppelschlag innerhalb von 18 Sekunden brachten Alexander Frey und Reto Graber das bislang trotz dem äusserst körperbetonten Spiel der Thuner standfest gebliebene Bollwerk der Zürcher Oberländer doch noch ins Wanken; beim ersten der beiden Treffer hatten die Berner von einem Ausschluss Silvan Bolligers profitiert. Uster-Trainer Simon Meier sah die Gefahr und rief seine Mannen zum Timeout. Trotzdem bejubelten die Berner Oberländer knapp vier Minuten später den Ausgleich durch ihren Topscorer Thomas Kropf.

Anders als in früheren Spielen dieser Saison, als im Ustermer Team in solchen Fällen die Nerven zu flattern begannen und man kurz vor Spielende noch den entscheidenden Gegentreffer einstecken musste, schienen die Zürcher Oberländer an diesem Tag gewillt und fähig, nochmals Gegensteuer zu geben. Sie profitierten auch davon, dass die nun auf den Führungstreffer drängenden Berner Oberländer etwas gar offensiv agierten und sich von Simon Suter und Silvan Bolliger, der völlig freistehend vor dem Thuner Goalie Marcel Straubhaar zum 7:6 abschliessen konnte, auskontern liessen. Als dann Thun-Coach Andreas Lindström gut dreieinhalb Minuten vor Spielende seinen Torhüter gegen einen sechsten Feldspieler tauschte, dauerte es nur wenige Sekunden, bis Manuel Hummer zum – allseits vermuteten – vorentscheidenden 8:6 ins leere Tor einnetzte.

Doch da gabs ja noch St. Mauritius. Beim 8:7-Anschlusstreffer der Thuner 51 Sekunden vor Spielende mussten sich die Ustermer allerdings noch an der eigenen Nase nehmen: Dass Marcel Obi einen Freistoss von der Bande direkt im Zürcher Oberländer Tor unterbringen konnte, zeugte nicht gerade für eine dem Umstand angemessen konzentrierte Defensivarbeit der Gäste. Die Berner Oberländer warfen nun alles nach vorne; Uster-Keeper David Holenstein rettete zweimal mirakulös und schien damit Team und Vorsprung über die Zeit gerettet zu haben, als Alexander Frey zu einem letzten Schuss ansetzte, St. Mauritius den Ball per Ablenker irgednwie direkt vor die Schaufel von Maurice Thomas dirigierte und dieser tatsächlich eine Sekunde (!) vor dem Abpfiff zum 8:8-Ausgleich einschieben konnte. Aufgeputscht durch das durch dieses nicht mehr erwartete Erfolgserlebnis zusätzlich freigesetzte Adrenalin starteten die Thuner in die folgende Verlängerung, wo Verteidiger Adrian Suter nach nur gerade 42 Sekunden seinen Weitschuss an Freund und Feind und auch an Keeper Holenstein vorbei zum siegbringenden 9:8 im Netz zappeln sah.

Unnötig, weiter auszuführen, dass die Niederlage des UHC Uster in diesem vierten Playoutspiel – die erste gegen die Thuner in dieser Saison überhaupt –  in die Kategorie „unnötiger als unnötig“ einzuordnen ist. Kommt hinzu, dass dieses Spiel aus Thuner Sicht das Zeug dazu hat, als entscheidendes Momentum diese Playoutserie in völlig neue Bahnen zu lenken. Zudem müssen die Zürcher Oberländer wegen der belegten Buchholz-Halle auch morgen Sonntag wieder auswärts in Thun antreten. Nichtsdestotrotz müssen die Ustermer alles daran setzen, ein mögliches Thuner Aufbäumen in dieser Serie so schnell wie möglichst zu unterbinden, will man sich ein Spiel mit dem Feuer ersparen.

UHC Thun – UHC Uster 9:8 n.V. (2:5, 1:1, 5:2, 1:0)
MUR, Thun. – Zuschauer: 252. – SR: Schüpbach/Studer. – Tore: 1. (0:41) S. Bolliger 0:1. 3. Götti (Frey) 1:1. 5. Kulmala (Nideröst) 1:2. 6. Saurer 2:2. 9. (8:48) Kulmala (Hummer) 2:3. 10. (9:05) Kulmala (Henriksson) 2:4. 10. (9:59) F. Bolliger (Hummer) 2:5. 29. Taurama (Fröhlich) 3:5. 33. Büsser (S. Bolliger) 3:6. 48. (47:13) Frey (Thomas) 4:6. 48. (47:31) Graber (Saurer) 5:6. 52. (51:10) Kropf (Wettstein) 6:6. 52. (51:53) S. Bolliger (Suter) 6:7. 58. Hummer 6:8. 60. (59:09) Obi 7:8. 60. (59:59) Thomas (Frey) 8:8. 61. (60:42) Saurer (Taurama) 9:8. – UHC Uster: Holenstein; F. Bolliger, Steiger; Heierli, Henriksson; Ledergerber, Aellig; Nideröst, Kulmala, Hummer; S. Bolliger, Büsser, Urner; Schubiger, Berweger, Suter; Brütsch, Schläppi, Scherrer, Gallati. – Strafen: 2 x 2 min gegen Thun, 4 x 2 Minuten gegen Uster. – 10. Timeout Thun. 38. Lattenschuss Urner. 48. Timeout Uster. Thun von 57:18 bis 57:25, von 57.50 bis 58:27 und von 58:43 59:59 ohne Torhüter.